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Juli 06
Liebe Azawakhfreunde,
wie hieß es in unserer Juni-Mitteilung? Niemand weiß so recht, wie’s im DWZRV in bezug auf unsere Sache weitergeht ... Wir lernen aus der Praxis und durch manche Hinweise von „gewöhnlich gut unterrichteter Seite“. Vieles deutet darauf hin, daß das vereinigte Lager von  Verwaltern des Standards  und selbsternannten Textinterpreten zum  Durchmarsch in Sachen Weiß entschlossen ist. Das Bewertungsverfahren bei der Azawakh-Jahresausstellung – d.h. höchstens ein unplaciertes Vorzüglich für bisherige Champions – haben wir in unserem Kommentar zur JAS als Kompromißversuch gedeutet. Es dürfte aber eher ein Mittel gewesen sein, öffentlichen Mißtönen bei der zentralen Offenbacher Veranstaltung  aus dem Weg zu gehen. Zudem fehlte es an diesem Tag noch an den verbindlichen Auflagen des DWZRV zur künftigen Beurteilung von weißen Farbanteilen. Der Ehrenpräsident des VDH, Herr Uwe Fischer, schreibt mir am 20.Juni in einer Stellungnahme zu meinen Brief an Richtervertrauensfrau Schwerm-Hahne:  > Die Teilnehmer an der Richtertagung in Rengshausen waren sich alle darin einig, dass der DWZRV-Vorstand mittels zeichnerischer Darstellung auf der Basis von Fotos und/oder Abbildungen verbindlich vorgibt, was bezüglich der Farbforderungen im Standard der Azawakhs seitens der Zuchtrichter als „erlaubt“ – ohne Abwertung, da kynologisch sinnvoll – angesehen werden kann, auch wenn dies mehr wäre, als der Standard eigentlich erlaubt... Ich bedaure sehr, dass bis heute noch kein entsprechender Entwurf vorliegt...<  Nun scheinen aber Anweisungen doch da zu sein. Offenbar nicht in Form eines allgemeinen Richterrundbriefs oder gar einer Veröffentlichung in der Verbandszeitschrift mit diskutierbaren anatomischen Skizzen, sondern vermutlich im Weg der persönlichen Instruktion. Jedenfalls gibt es für uns bis auf weiteres keinen Grund, an den folgenden Informationen zu zweifeln, die uns zwischenzeitlich erreicht haben.
Dies dürfte demnach den Azawakhs ins Haus stehen:
Die DWZRV-Richter werden Weiß an den Läufen bis in Höhe des Ellbogens akzeptieren - nur diesen Bereich versteht man, Anatomie hin oder her, unter den im Standard genannten >Gliedmaßen<. Die weißen Abzeichen an der Brust müssen farblich eingegrenzt sein. Sie dürfen sich also nicht zu Hals oder Kopf hin fortsetzen; daß es Richter gibt, die dabei auch die anatomische Grenze zwischen Brust und Bauch des Hundes nach eigenem Ermessen festsetzen, ist inzwischen bekannt.  
Azawakhs, die von diesen „Regularien“ abweichen, müssen mit der zuchtausschließenden Formwertnote Gut belegt oder, in der Regel, als disqualifiziert aus dem Ring gewiesen werden. 
Leider scheint es so zu sein, daß sich auch Richterinnen und Richter mit bisher  selbständiger kynologischer Kompetenz diesen Anweisungen nur noch sehr schwer entziehen können. Bei Zuwiderhandlung drohen offenbar ernsthafte disziplinarische Maßnahmen.
Wohlgemerkt:  Dem Arbeitskreis Azawakh geht es  nicht so sehr darum, ob die  Farbvorschriften mehr oder weniger radikal umgesetzt werden. Die Kompromisse  sind in jedem Fall kynologisch unbefriedigend. Denn alle von uns dokumentierten (und bislang von niemandem entkräfteten) Fakten stehen dafür, daß die Farb- und Zeichnungsbeschränkungen im Azawakhstandard grundsätzlch fehl am Platz sind. Die den Arbeitskreis unterstützenden Züchter und Besitzer ersuchen deshalb nach wie vor den DWZRV, den VDH und die Organisationen der Nachbarländer, sich bei der FCI für eine entsprechende  Reform des Standards einzusetzen.  Bis dahin heißt es, die von der Verbandsführung versuchten Scheinlösungen des Problems mit Kritik zu begleiten und uns nach praktischen Wegen umzusehen, um die Interessen unserer Rasse in der gegenwärtigen Situation zu schützen.  Also stellt sich die Frage:          
Wie können wir jetzt reagieren?
Unverantwortlich wäre es, aufgrund der aktuellen Einflußlage im DWZRV auf die Zuchtverwendung von Azawakhs mit größeren Weißanteilen oder entsprechenden Vorfahren zu verzichten. Letzteres ist nicht nur kynologisch absurd, sondern bedeutet auch und in erster Linie eine weitere Schwächung des auf genetische Erweiterung angewiesenen Azawakhbestands in Europa. 
Unter „Hundeliebhabern“ aus Show-Ehrgeiz und Umsatzinteresse war es üblich, auf Farbvorgaben für ihre Rassen mit einem Mittel der traditionellen Haustierzucht zu reagieren: Welpen mit standard- oder modewidrigem Haarkleid wurden gleich nach der Geburt eliminiert. Unsere Verbandsvertreter sollten immer wieder mit der Frage konfrontiert werden,  inwieweit die FCI durch Farbvorschriften in den Rassestandards zu einer unethischen und in Deutschland verbotenen Praxis geradezu einlädt. 
Der Arbeitskreis Azawakh hat zwar binnen kürzester Zeit über hundert Zustimmungserklärungen von Besitzern und Züchtern im In- und Ausland verzeichnen können; die übergroße Mehrheit der im DWZRV organisierten Zuchtstätten hat sich der Forderung nach einer Reform der Farb- und Zeichnungsauflagen angeschlossen. Bei den Anhängern der „Standard-Farbenlehre“ sind die Argumente des Arbeitskreises auf verschlossene Ohren gestoßen – an Stelle der von uns gewünschten inhaltlichen Diskussion ist es von dieser Seite bei der Veröffentlichung zweier sacharmer Polemiken von Rene Morineau (SLAG) und Dr. Ulrich Hochgesand geblieben. Dies wird sich bei den gegenwärtigen personellen Strukturen in den Zuchtverbänden wohl auch so bald nicht ändern. Die  betroffenen Azawakhbesitzer und –züchter in Deutschland müssen sich vorerst auf eine Alltagsstrategie einstellen. 
Wie kann dies aussehen?
-         Vorrangige Aufgabe muß die Zuchtzulassung von genotypisch wertvollen Azawakhs jenseits der derzeitigen Farbbeschränkungen sein, also ihre zweimalige Bewertung mit Sehr gut. Erkundigen Sie sich persönlich vor einer Zuchtschauanmeldung bei dem in Aussicht genommenen Richter, ob er es auf sich nehmen will, dem Formwert eines Hundes gegenüber der Fellzeichnung Vorrang zu geben und unter Umständen eine zuchtzulassende Note zu erteilen. So können Sie sich  Zeit, Kosten, Ärger und eine Disqualifikation Ihres Azawakhs ersparen.
-         Wenn Sie auf Championatstitel und erste Plätze für Ihren Hund Wert legen, empfiehlt sich der Besuch ausländischer Zuchtschauen. Nur auf diese Weise erscheint derzeit die Qualifikation für die Siegerklasse möglich. Die Teilnahme an Ausstellungen mit DWZRV-lizenzierten Zuchtrichtern ist derzeit nicht zielführend.
-         Als möglicherweise meinungswirksame Maßnahmen sind denkbar: Der Verzicht auf die Meldung auch farblich „unproblematischer“ Hunde bei jenen Zuchtrichtern, die sich als Verfechter der harten Linie hervortun. Oder die zuvor abgesprochene  Vorstellung von bisherigen Champions und von künftigen Inhabern ausländischer Titel in den Sieger- und Ehrenklassen als Demonstration unter Hinnahme von möglichen G-Beurteilungen oder Disqualifikationen. Hierbei sollte man darauf bestehen, daß im Richterbericht als Grund die Farbverteilung ausdrücklich genannt wird. 
Die Zukunftsperspekiven sind allemal auf unserer Seite: 
Das zunehmende Auftreten von Weißzeichnungen bei europäischen Azawakhs ist genetisch vorprogrammiert. Sie sind Bestandteil des originären Erbguts. Über kurz oder lang werden, wie schon im Fall der Stromung, die Vorstellungen vom einheitsfarbenen Azawakh durch das tatsächliche Erscheinungsbild der Rasse ad absurdum geführt sein. 
Versuche zur Herstellung einer farblichen Homozygotie innerhalb des hiesigen Azawakhbestands müssen nach der Erbgesundheitslehre zum Scheitern verurteilt sein. Genetische Defekte als Folge von Engzucht auf schmaler Ausgangsbasis sind bereits jetzt auf sichtbarem Vormarsch.
  WR

Die Lage im Frühsommer 2006:

 

DER >FALL WEISS<. UND DER DWZRV:  NIEMAND WEISS, WO’S WIRKLICH LANGGEHT...

 Auf der Richtertagung des Deutschen Windhundzucht- und Rennverbands im Februar dieses Jahres stand die „Azawakhfrage“ mit auf dem Programm. Dr. Werner Röder hatte die Gelegenheit, das Anliegen des Arbeitskreises darzu- stellen und zu begründen (Text auf dieser Website: >Ein guter Hund hat keine Farbe<.). Dr. Ulrich Hochgesand vertrat die altbekannte Gegenposition (vgl. www.aulad-al-sahras.de; dort auch seine Polemik gegen den Arbeitskreis Azawakh, die wir auf dieser Website nicht abdrucken dürfen). Wie wir hören, hat der DWZRV-Vorstand danach seinen Richtern Handreichungen für die Bewertung von Azawakhs angekündigt; bisher soll nichts dergleichen passiert sein. Noch-Präsident Dr. Zimmermann hat sich gegenüber allen Zusendungen von Arbeitskreis-Materialien bisher in Schweigen gehüllt. 
Auch die Richterpraxis der Jahresausstellung konnte nicht viel mehr als Spekulationen anhand einiger auffälliger Ergebnisse einbringen. Nachfolgend eine Überlegung dazu; manche Kenner der Szene meinen, daß ihre Perspektive noch zu optimistisch  ist:  
Ein Kommentar zur Azawakh-Jahresausstellung 2006

Von den 74 gemeldeten  Azawakhs waren 69 im Ring angetreten, darunter 39 aus Deutschland, 8 aus der Tschechischen Republik, 6 aus Italien, 10 aus Frankreich, 2 aus Österreich, 2 aus den Niederlanden, 3 aus der Schweiz, 2 aus Belgien und 2 aus den USA und Mexiko. 47 Exemplare, also rund 64 Prozent, waren Importe aus Afrika oder deren Nachkommen bis zur zweiten Generation (in Deutschland: Imp.0 bis Imp.2). Ansehnlich war der Anteil von Hunden mit ausgedehnteren weißen Abzeichen, 9 Exemplare wurden präsentiert.
Für viele galt diese Jahresausstellung als Testveranstaltung. Zum einen ging es darum, inwieweit sich ein im Mai 2005 von der Richtervertrauensfrau des DWZRV publizistisch eröffneter Feldzug zur Abwertung von Azawakhs mit „unerlaubten“ weißen Abzeichen in der Zuchtschaupraxis durchsetzen würde (vgl. hierzu die Dokumentation >Der Fall Weiß<, hrsg. vom Arbeitskreis Azawakh). Zum anderen haben sich in den letzten Jahren europaweit zwei Zuchtrichtungen immer deutlicher positioniert: Die eine sieht in der Hereinnahme von zeitgenössichen Importen aus den Herkunftsgebieten der Rasse die Möglichkeit, den Genpool des hiesigen Bestands überlebensfähig zu machen. Einige der älteren und über lange Zeit marktbeherrschenden Zwinger vertrauen auf eine fortgesetzte „Hochzucht“ mit äußerst schmaler genetischer Grundausstattung. Azawakhs aus beiden Zuchtrichtungen sind in der Regel an unterschiedlichen phänotypischen und verhaltensmäßigen Ausprägungen erkenn bar. Daran scheiden sich innerhalb der DWZRV-Führung und bei der Richterschaft die kynologischen Standorte und die persönlichen Vorlieben. Daß dort im Gegensatz zur Mehrheit der Azawakhzüchter die „konservative“ Fraktion über erheblichen Einfluß verfügt, zeigt unter anderem der jüngste Vorstandsbeschluß zur Beschränkung von Zuchtmöglichkeiten mit  Importhunden. Dieser hat ebenso wie die versuchte Ausgrenzung von Azawakhs aufgrund von Farbanteilen zu Protestreaktionen an der Mitgliederbasis geführt. Der Verband wird nicht umhin können, mit dieser Konfliktlage in der einen oder anderen Weise fertigzuwerden. Ein Gutteil der Teilnehmer war deshalb geneigt, aus den Ergebnissen der Jahresausstellung Rückschlüsse auf die künftige Bewertungspraxis bei Zuchtschauen des DWZRV in Sachen Weißzeichnung und Outcrossing zu ziehen.
Wenn die Wertnotenvergabe bei der Jahresausstellung tatsächlich einen – gegebenen- falls auch nur informell entstandenen -  Konsens der Verbandsleitung bzw. innerhalb der Richterschaft widerspiegeln sollte, ergäbe das folgende Zählergebnis ein auffälliges Muster: Von den 61 Azawakhs in der Jugend-, Zwischen- und Gebrauchshundeklasse, der Offenen, Sieger- und Veteranen-Klasse erhielten 55, also rund 90 Prozent, die Formwertnote Vorzüglich. Die Forderung, daß Weißzeichnungen zu einer Rückstufung auf die Noten SG oder G führen sollen, hat sich in diesen Bewertungen also nicht niedergeschlagen. Die Wertnote Vorzüglich entfiel dabei auch auf 32 von 38 erwachsenen Exemplaren mit Importstatus, also auf rund 84 Prozent ihrer Gesamtgruppe. Auf einen der Siegerplätze (CAC-Anwartschaft, Jugendbester, Bester Rüde/Beste Hündin, Jahressieger, Rassebester) gelangte jedoch  lediglich ein einziger Rüde mit Importhin- tergrund in der Offenen Klasse, er gewann ein CAC. Azawakhs mit weißen Abzeichen jenseits der vom gegenwärtigen FCI-Standard vorgegebenen minimalen Anteilen gingen bei fast durchweg vorzüglichen Beurteilungen durch den Richter ganz leer aus. 
Manche Beobachter der Jahresausstellung wollen in diesem Ergebnis die Bemühung im  DWZRV erkennen, die Parteien angesichts der herrschenden Unruhe in einen Formalkompromiß einzubinden. Dieser würde dem einzelnen Richter die Auslegung des Standards in Sachen Weiß und die Vergabe der Formwertnote Vorzüglich wie schon in den Jahren vor 2005 freistellen. Siegerplacierungen wären im „Gegenzug“ aber auf Exemplare zu beschränken, die nach Typus und Fellfarben der in Europa während der 80er und 90er Jahre geschaffenen Zuchtversion entsprechen. Träfe eine solche Annahme zu, dann könnte dies auf einen „politischen“ Mittelweg hinauslaufen: Er würde den Verfechtern des genetischen Outcrossing und einer Farbreform des FCI-Standards weiterhin züchterischen Lebensraum innerhalb des DWZRV einräumen und gleichzeitig auf die Monopolvorstellungen des ehemaligen „Azawakh-Establishments“ Rücksicht nehmen. Kynologisch betrachtet sind pragmatische Konfliktlösungen dieser Art natürlich nicht befriedigend. Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß in der Zuchtschaupraxis wichtige Bewertungskriterien wie funktionale Anatomie, Gliedmaßen, Gangwerk oder Verhalten der Hunde von Fall zu Fall in den Hintergrund treten müßten, um im jeweiligen Endergebnis das Kompromißkonzept in die Tat umzusetzen. Immerhin hat  es nicht wenige Kritiker gegeben, für die manche Erstplacierungen bei der Jahresausstellung 2006 nur in einem solchen Zusammenhang  verständlich geworden sind. Ob all dies mehr als spekulativ ist, dürfte der weitere Verlauf der Zuchtschausaison erweisen.
Dr. Werner Röder, München

 

Zuvor schon haben einzelne Zuchtschauergebnisse Fragen in Sachen Weißzeichnung herausgefordert. Eine betrifft die offenbare Ungleichbehandlung bei verschiedenen Windhundrassen mit identischen Standardproblemen. Hierzu ein bisher unbeantwortetes Schreiben an Richtervertrauensfrau Schwerm-Hahne:

Sehr geehrte Frau Schwerm-Hahne,
gestatten Sie mir bitte, aus einem konkreten Anlaß nochmals auf unsere Diskussion über weiße Abzeichen bei Azawakhs zurückzukommen. Als Gast der Richtertagung hatte ich den Eindruck, daß Sie Ihre  Forderung nach buchstabengetreuer Anwendung der Farbvorschriften im derzeit gültigen Azawakh-Standard mit dem ehemaligen VDH-Präsidenten, Herrn Uwe Fischer, teilen. 
Eine ähnliche Bestimmung gibt es bekanntlich auch im Standard für Sloughis. Dort heißt es unter der Rubrik „Farbe“:
>Alle Tonschattierungen von hell-sandfarben bis zu rot-sandfarben; mit oder ohne schwarze Maske, mit oder ohne schwarzen Mantel, mit oder ohne schwarze Stromung, mit oder ohne schwarze Wolkung. Fehler: ... kleines weißes Abzeichen an der Brust ...Ausschließende Fehler: ... weiße Stiefel, größere weiße Abzeichen ...<
Herr Fischer hat am 5.Mai 2006 in Dortmund die Europasieger-Titel an zwei Sloughis vergeben, die unübersehbar weiße Abzeichen an Brust und Läufen aufweisen. 
Ich beglückwünsche die Besitzer und den Züchter dieser vorzüglichen Windhunde zu ihrem Erfolg und Herrn Fischer zu der Entscheidung, die ausschließenden Farbvorschriften des Standards nicht in Betracht zu ziehen. Es ist nur zu hoffen, daß diese seine Sichtweise von Dauer sein möge. Noch besser wäre es freilich, wenn er sich aufgrund der Entstehungsgeschichte der Farbbestimmungen und angesichts der genetischen Wirklichkeit der Rasse für die Streichung dieser Vorschriften aus dem Standard der FCI einsetzen würde.
Natürlich ist es ganz Ihre Sache, ob und wie Sie auf die Entscheidung von Herrn Fischer in Ihrer Eigenschaft als Richtervertrauensfrau reagieren werden. Auch Herr Fischer ist niemandem gegenüber verpflichtet, die Logik seiner Urteile in Sachen Weißzeichnung offenzulegen. Aber es kann nicht angehen, daß Funktionsträger des Verbandes auf die Durchsetzung von Standardparagraphen, die kynologisch längst überholt sind, bei einer Rasse – hier bei Sloughis – vernünftigerweise verzichten,im gleich gelagerten Fall der Azawakhs jedoch ein rigides Farbregime fordern und im Ausstellungsring durchsetzen. 
Mit freundlichen Grüßen
gez.
Dr. Werner Röder

Nicht uninteressant ist dabei eine Fundsache aus dem VDH-Zentralorgan vom Mai 2004. Dort schrieb der nunmehrige Ehrenpräsident Uwe Fischer:


Liebe Hundefreunde,
Funktionalität und Typ auf der einen Seite und das oftmals über Jahrzehnte entwickelte Erscheinungsbild einer Rasse auf der anderen Seite, sollten der Gesundheit unserer Hunde nicht entgegen stehen. Von daher setzt sich der VDH schon seit langem und immer wieder dafür ein, dass Formulierungen in den Rassestandards überarbeitet, geändert, bzw. ergänzt und präzisiert werden oder sich gar negativ auf die Gesundheit unserer Hunde auswirken können. In der Tat kann man in einigen Standards wenig hilfreiche Formulierungen finden, die vom Wortlaut her "Extreminterpretationen" möglich machen.
Der Vorstand des Kennel Club hat anlässlich einer Sitzung im Mai letzten Jahres den Standard des English Bulldog von missverständlichen Formulierungen "befreit", Passagen gestrichen bzw. abgeändert und so dem tatsächlichen Zuchtgeschehen entsprochen. Es wird nun der Funktionalität, nach der überwiegende Zahl der Züchter strebt, auch von der Wortwahl her klarer als bisher in den Rassekennzeichen manifestiert. Der Vorstand der FCI hat die Änderungen im Standard des English Bulldog gerne übernommen...............
Fazit: Packen wir`s an - es gibt viel zu tun.
Am Beispiel des Standards des English Bulldog wird deutlich, dass wir die Vielfalt unserer Hunderassen am besten durch gezielte Aktivitäten erhalten und bewahren können. Keine Rasse dürfte vom Rasse-Standard her anders erscheinen bzw. "darstellbar" sein, als dies tatsächlich gewollt und gemeint ist. Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam durch die kontinuierliche Überprüfung der Standards wie auch mancher kynologiefremder Standardinterpretationen zum Wohle unserer vierbeinigen Freundetätig zu sein. Ein ehrlicher, auch kritischer Dialog in den Zuchtvereinen ist hierzu m.E. das geeigneteste Mittel und der beste Weg um dieses zu gewährleisten, auch wenn es manchmal schon sehr lange lange dauert, bis unsere Anliegen in Angriff genommen werden.
In diesem Sinne verbleibe ich
Uwe Fischer 1. Präsident des VDH


Das liest sich trotz aller inhaltlichen Widersprüchlichkeit ja nicht so schlecht:Wir lernen unter anderem daraus,
-  >daß man in einigen Standards wenig hilfreiche Formulierungen finden  (kann), die vom Wortlaut her „Extreminterpretationen“ möglich machen<,  und daß sich  >der VDH seit langem und immer wieder dafür ein(setzt), dass Formulierungen in den Rassestandards überarbeitet, geändert, bzw. ergänzt und präzisiert werden<. 

Nichts anderes wünscht sich der Arbeitskreis in bezug auf die überholten Farbvorschriften des Standards. 

 FAZIT: LASSEN WIR NICHT LOCKER – ES GIBT VIEL ZU TUN!





18.12.2005
 Dr. Werner Röder:
AZAWAKH IM WANDEL 
Versuch einer möglichst zurückhaltenden Rezension

In der Weihnachtsnummer des DWZRV-Zentralorgans UNSERE WINDHUNDE steht ein Beitrag von Herrn Dr. U. Hochgesand: >Azawakh im Wandel?<.. Der Autor wandelt auf den Spuren von SLAG und Rene Morineau (siehe 30.10.05 Neuigkeiten).
Kurz und schmerzhaft das Resümee vorweg: Altbekannte Standpunkte, Halbwahrheiten und Spekulationen aus dem Fundus längst vergangener „Azawakh-Diskussionen“ erleben in polemischem Aufputz ihre Neuauflage. Auch die schon ermüdende Schöpfungslegende vom afrikanischen Hochzuchtazawakh darf dabei nicht fehlen. Man sollte annehmen, daß Hochgesand die Denkschrift des >Arbeitkreises Azawakh<. (DER FALL WEISS) oder zumindest die Präsentation im Internet gelesen hat. Auf eine sachliche Auseinandersetzung mit ihrem Inhalt verzichtet er. Belegbare Fakten, Zahlen, Daten oder Bezugnahmen auf die wissenschaftliche Fachwelt sucht man bei ihm vergebens. Die einzige Beweisanmerkung taucht in einem Absatz über das bei „echten“ Azawakhs angeblich nie vorkommende gescheckte Haarkleid auf – und zu welcher Quelle führt sie uns? Zum Bulletin Nr.61/2004 von SLAG, wo die „wichtige kynologische Argumentation des Vorstandsgremiums“  auf der Seite 5 nachzulesen sei! Hermann Bürk hat sich zur Kompetenz dieses Gremiums schon vor einiger Zeit  geäußert. Sein Befund ist auf der Webseite des Arbeitskreises veröffentlicht.
Der von Dr. Hochgesand attackierte „Arbeitskreis Azawakh“ hat sein Anliegen, die willkürliche Farb- und Zeichnungsbeschränkung im Standard zu korrigieren, mit eine Fülle von empirischem Material, Texten aus der Literatur und mit aktuellen Erkenntnissen der Kynologie und Vererbungslehre begründet. Die Bringschuld an Sachargumenten liegt nun bei all jenen, die das Reformziel des Arbeitskreises aus sachlichen Gründen ablehnen. - Wer größere weiße Abzeichen an einem Azawakh persönlich nicht leiden mag, muß sich mit dem Arbeitskreis nicht strei-ten. Denn dieser tritt bekanntlich dafür ein, daß künftig jeder Züchter und Besitzer die Möglichkeit haben sollte, mit einem Azawakh seiner Farb- und Zeichnungspräferenz die Rasse voranzubringen. 
Da uns Herr Hochgesand mit diskutierfähigen Argumenten zum FALL WEISS leider im Stich läßt, muß sich der Rezensent notgedrungen auf die pikante Frage nach dem wahrscheinlichen Weshalb und Wozu der verbalen Breitseite in UW einlassen.    
Dr. Ulrich Hochgesand ist Partner in der Zuchtstätte >Aulad al Sahra’s<. Diese hat mit einer nahezu hermetischen Europa-Nachzucht über viele Jahre hinweg die deutsche Azawakhszene fast konkurrenzlos bestimmt. Daß Herr Hochgesand den FCI-Standard mit dem in dieser Zeit entstandenen Zuchtprodukt gleichsetzt, ist allzu verständlich. Der Standard sei von den nach wie vor unbenannt bleibenden Verfassern „bewußt exklusiv“ geschaffen worden, also nicht als Abbild der Tuaregwindhunde schlechthin, sondern einer angeblich elitär gezüchteten Minderheit  in einer ganz bestimmten Region des malischen „Azawakhtals“ (so auch Xavier Przezdzieski in >Le Destin des Levriers<., 1984; kritisch dazu: DER FALL WEISS, 2. Auflage, S. 25). Die von >Aulad al Sahra’s< miterzeugte europäische Zuchtvariante samt ihrer vorherrschenden Farbe und Zeichnung ist – so Herrn Hochgesands Zirkelschluß -  die Wiedergeburt eben dieses Azawakhs. Bis vor einem guten Jahrzehnt war zu hören, daß die fraglichen Hunde in Afrika schon längst ausgestorben sind. Originäre Beschreibungen durch vormalige Afrikareisende oder zeitgenössische Abbildungen dieses legendären Azawakhschlags konnten wir bisher nicht auftreiben. Als Anfang der Neunzigerjahre Exemplare aus Mali, Niger und Burkina Faso in Europa auftauchten, Championate und Siegertitel erwarben und erfolgreich zur Zucht verwendet wurden, ist eine neue Losung ausgegeben worden: Diese Azawakhs sind Kreuzungen mit fremden Hunden! Letztere müssen auf wundersame Weise in die Steppen des Sahel gelangt sein. Auch in seinem neuesten Beitrag kann Herr Dr. Hochgesand von dem gewohnten  Verdacht der >Sünde wider das Blut< bei konkurrierenden Azawakhzuchten nicht lassen. Aber er hat, wie Rene Morineau, schon etwas dazugelernt: Daß man heutzutage die Arbeiten von Dr. Francois Roussel (1975) und von Strassner & Eiles (1989), die Feldforschungen von Ursula Arnold, die Beobachtungsergebnisse bei Hermann Bürk oder Dr.Gabriele Meißen, die genetischen Statistiken von Elisabeth Naumann, fünfzehn Azawakh-Expeditionen der Association Burkinabe Idi du Sahel (ABIS) und eine Vielzahl von Film- und Fotodokumentationen aus erster Hand nicht mehr so einfach vom Tisch wischen kann.
Wir hören und staunen: Zu überlegen sei, so sagt Dr. Hochgesand jetzt in UW, ob „die tatsächlich bestehende Diskrepanz von Merkmalen importierter Hunde mit dem gültigen Azawakhstandard daraus resultieren könnte, daß es sich bei den importierten Windhunden gar nicht um die Rasse Azawakh, sondern um einen näher zu bezeichnenden Sahelwindhund handelt, für den die Schaffung eines eigenen Rassestandards noch zu leisten wäre“ . Potz Blitz! Also auf einmal keine Bastarde mehr, sondern genuine, wenn vielleicht etwas andere Windhunde, die einen autonomen Rassestatus in der FCI haben könnten! Bitte, das wär’s doch: Endlich Schluß mit dem anstrengenden Diskurs über Fellfarben und Zeichnungen, über Phänotyp und Genotyp, über die Lebensfähigkeit von europäischen >Designer-Azawakhs<. unter den funktionellen Anforderungen ihrer Urheimat oder über züchterische Irrwege auf extrem enger genetischer Basis. Und wie in den  guten alten Zeiten stünden Dr. U. u. A. Hochgesand endlich wieder fast allein im Azawakh-Showring und auf der Züchterliste des DWZRV. Gestromtes Zeug und andere Fehlfarben, weiße oder getüpfelte Hälse, Bäuche und Schenkel, Nackenflecke mit mehr als 5 Zentimetern Durchmesser (den Experten von SLAG sei Dank!) und alles Gescheckte bitte zur neuen Windhundrasse nebenan...   
Aber ernsthaft: Diese überraschende Lesart ist im Vergleich mit dem bisher gewohnten „Bastard!“-Geschrei aus Waldalgesheim ein intellektueller Fortschritt. Auch wenn Dr. Hochgesands Idee, die Windhundpopulation des Herkunftsgebiets in diverse neue Rassen einzuteilen, stark an den Zopf erinnert, mit dem sich der Baron Münchhausen einstmals selbst aus dem Sumpf gezogen hat. 
Auch in seinem UW-Beitrag, der ja in erster Linie dem >Arbeitskreis Azawakh<. im DWZRV Paroli bieten sollte, stellt Dr. Hochgesand die gewohnte Kampagne gegen Importe (nunmehr möglicherweise reinblütig, dann aber von anderer Rasse) in den Mittelpunkt. Bläst man den agitatorischen Pulverdampf von den Seiten des UW, wird schnell erkennbar, daß der Autor bei der eigentlichen Dis-kussion über Sinn oder Unsinn von  Farb- und Zeichnungsbeschränkungen im Standard mit völlig leeren Händen dasteht. Damit hat er an seinem vorgegebe-nen „politischen“ Ziel, also am Arbeitskreis Azawakh, um viele Längen vorbei-geschossen: Denn Afrikaimporte sind nicht Gegenstand dieser Interessengemeinschaft. Unterschiedlich ausgedehnte Weißzeichnung (dies ist nämlich das Thema des Arbeitskreises!) finden sich nicht allein bei Azawakhs der Ursprungsregion und ihrer hiesigen Nachzucht, sondern – wie rundum zu sehen ist -  ebenso und zunehmend bei Nachkommen aus strikt europäischen Linien. Deshalb  gibt es auch genügend Unterzeichner der AK-Erklärung, die mit Afrikaimporten gar nichts am Hut haben. 
Schließlich und endlich: Der Arbeitskreis denkt nicht im Traum daran, die  morphologischen Vorgaben des FCI-Standards in Frage zu stellen. Auch wenn ihm Herr Hochgesand dies gern unterschieben möchte. Das Gegenteil ist der Fall: Die Zuchtrichter wären unseres Erachtens gut beraten, wenn sie die morphologischen Aspekte  des Standards nachdrücklicher durchsetzen würden -  zum Beispiel mit einem geschärften Blick auf die Funktionalität von Gangwerk, Front und Schulter, von Kiefersubstanz, Vorderläufen und Fußgelenken. In diesem Sinn  schreibt denn auch eine renommierte Windhundrichterin an den Arbeitskreis Azawakh: „Ich bewerte den Hund und nicht seine Farben!“    
Herrn Hochgesands polemischen Stilübungen zum Trotz sollten wir eine sicher ungewollte Anerkennung mit Dank zur Kenntnis nehmen. Er hält offenbar viel von unseren bisherigen Aktivitäten:

 > Es rumort in der Azawakhszene! Allerorten findet man aufgeregte Statements und Kommentare. Im Internet hat sich eine Gruppe von Aktivisten gesammelt und hat sich der Bekämpfung gegen (sic!) angeblich dirigistische Vorschriften der die Rasse vertretenden kynologischen Verbände, hier DWZRV, dort der französische SLAG und die FCI verschrieben. Es werden umfangreiche Kassiber (Lieber Herr Dr. Hochgesand, das ist ja Knastjargon!) an alle Windhundrichter und andere kynologische Entscheidungsträger versandt und es wird mit umfang-reichem Material ein Bild der Rasse inszeniert, um mit einer Informationsflut Unsicherheit bei Richtern, Züchtern und Besitzern zu erzeugen... In einer beispiellosen Öffentlichkeitskampagne wird der Eindruck erweckt, als hätte die Erstellung von Rassestandards etwas mit der Bildung von Mehrheitsmeinungen zu tun...<  
(Aus: Unsere Windhunde 12´05; Seite 16 – 17;)


Herr Dr. Hochgesand, das macht uns ja richtig stolz und hoffnungsfroh! 

Wer auf Kopfschütteln, Schadenfreude, Bedauern, Ärger oder Begeisterung bei einer Lektüre des Originals nicht verzichten möchte, findet den Artikel nachfolgend nicht mehr !!dokumentiert. 

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19.12.2005

Herr Dr. Hochgesand hat uns unter Berufung auf sein Urheberrecht die weitere Dokumentation seines Beitrags auf dieser Website untersagt. Falls Sie die DWZRV-Mitgliederzeitschrift Unsere Windhunde nicht laufend beziehen, empfehlen wir Ihnen die Beschaffung von Nr.12/2005 über den Zeitschriftenhandel oder durch eine Bestellung bei
email: dwzrv@dwzrv.com oder
Geschäftsstelle DWZRV; Grüne Straße 7; 31185 Söhlde Tel.: 05129 8919   FAX  05129 8810



15.12.2005
Wir freuen uns über einen wichtigen Erfolg unserer Arbeit: Gegen seine sonstige Übung hat der französische Windhund-Club SLAG in Person eines seiner Meinungsführer auf das Begehren von Azawakhfreunden aus aller Welt  öffentlich reagiert (siehe die Wortmeldung von Herrn Morineau im Nachrichtenblatt der SLAG, die wir auch in deutscher und englischer Übersetzung auf dieser Website zugänglich machen). Der >Arbeitskreis Azawakh<. tritt gern in diese offene Diskussion ein. Nachfolgend bringen wir eine Entgegnung des AK sowie einen Kommentar, den uns der renommierte Kynologe, Zuchtrichter und langjährige Zuchtleiter im DWZRV, Herr Hermann Bürk, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Französische und englische Übersetzungen folgen in Bälde. Mit Interesse sehen wir einer Antwort von SLAG entgegen.
Wir wünschen allen Azawakh- und Windhundfreunden viel Glück für das neue Jahr 2006  und wir sind zuversichtlich, daß unsere gemeinsamen Anstrengungen weiterhin zu vernunftorientierten Fortschritten innerhalb des organisierten „Hundewesens“ in unseren Ländern beitragen werden.

SLAG und der >Arbeitskreis Azawakh<. :
Merci bien, Monsieur Morineau!

Die Äußerungen von Herrn Morineau zu den vom Arbeitskreis Azawakh verfolgten Zielen verdienen unsere Aufmerksamkeit. Warum?

(1.) Die Anerkennung der Tatsache, daß die Rasse in ihrem Herkunftsgegebiet mit einer breiten Palette von Fellfarben, Zeichungen und Farbverteilungen auftritt, ist ein echter kynologischer  Fortschritt in den den Reihen der SLAG-Oberen. Damit unterstreicht Herr Morineau, daß die Windhundkommission bei der französischen Societe Centrale Canine (SCC) von Azawakhs wohl nicht allzu viel versteht. In deren Auftrag hatte Andre Verlet im April 2005 den VDH-Präsidenten Uwe Fischer nämlich wie folgt belehrt: >In seinem Ursprungsland ist (der Azawakh) ein fast einfarbiger Hund mit Ausnahme des unteren Endes der Pfoten (weiße Stiefel) und der Rutenspitze ... Ein überhandnehmendes Weiß führt dazu, daß der Hund dann nicht mehr seinen Artgenossen ähnelt ...< (so zitiert im Beitrag von Frau Wilfriede Schwerm-Hahne in der Zeitschrift >Unsere Windhunde<. Nr. 5, 2005). Dieses Argument gegen die Reform des Azawakh-Standards dürfte nach Rene Morineaus Artikel nun endlich vom Tisch sein. 
(2.) Herr Morineau verweist mit Stolz auf die zahlreichen Auslegungen und deren Abänderungen, die SLAG in den zurückliegenden Jahren in bezug auf die Farbrestriktionen des Standards angeordnet habe. Und man er-fährt bei ihm, daß >die von SLAG erlassenen Beschlüsse ... jenseits des Rheins vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband übernommen worden< seien. SLAG wird im weiteren Verlauf der Reformdiskussion akzeptieren müssen, daß ihr auch die organisatorische Kompetenz abgeht, den Standard verbindlich zu interpretieren. Herr des Standards ist die FCI und dortiger Vertreter des standardgebenden Landes ist auch nicht SLAG, sondern der französische Dachverband SCC. Ohne formelle Absegnung durch die FCI-Standardkommission sind „Beschlüsse“ von SLAG zur Auslegung von Standardinhalten unverbindliche Meinungsäußerungen. Sie müssen sich die Überprüfung von kynologisch ausgewiesener Seite gefallen lassen. Einiges hierzu ist dem nachfolgenden Kommentar von Hermann Bürk zu entnehmen. 

(3.) Rene Morineau hat es nicht geschafft, die zwei zentralen Motive des Arbeitskreises zu begreifen, nämlich
- daß es erstens keinen objektiven Grund gibt, den in Europa gezüchteten Azawakhs jene Eigenschaften als „zu bestrafende“ Fehler anzukreiden, die die Rasse in ihrem Ursprungsgebiet aufweist: Ihre ererbte Variabilität bei Fellfarben und Zeichnungen;

- und zum zweiten und am wichtigsten: daß der Ausschluß von natürlichen Farbvarietäten nicht nur kynologisch unsinnig ist, sondern das verfügbare Erbgut innerhalb des genetisch sowieso höchst prekären Zuchtbestands noch weiter beschränkt. Dies muß im Interesse der langfristigen Überlebensfähigkeit der Rasse in Europa durch die vom Arbeitskreis angestrebte Standardreform verhindert werden.

Der Verzicht auf Farb- und Zeichnungsvorschriften wird niemanden daran hindern, ein ihm liebgewordenes spezielles Erscheinungsbild des Azawakhs auch in Zukunft züchterisch oder als Besitzer und Ausstellungswettbewerber zu verfolgen. Allerdings würden dann Herr Morineau und SLAG nicht mehr die Möglichkeit haben, Züchtern und Richtern ihre jeweilige Auslegungsversion des Standards vorzuschreiben – diese Verlustangst bringt wohl auch Herrn Morineau zu seiner Annahme, daß hinter einer Standardreform „der Wunsch von einigen Leuten steht, die Macht zu ergreifen“. Das Gegenteil trifft zu: Angemaßte und wirklichkeitsfremde „Machtausübung“ soll im Interesse der Sache abgebaut werden – und das ist gut so. (WR)

 * * * * *
Hermann Bürk:

Einige Anmerkungen zum Beitrag von Rene Morineauin den SLAG - Nachrichten

Herr Morineau verweist auf zahlreiche Aktivitäten der SLAG in bezug auf die weißen Abzeichen des Azawakhs. „Fünf bis vielleicht sogar zehn Mal“ habe man in der Vergangenheit die Auslegung der im Standard enthalte-nen Einschränkungen abgeändert. Dieses Hin und Her, das Herr Morineau offenbar als Verdienst an der Rasse betrachtet, zeugt für ein hohes Maß an kynologischer Unsicherheit und mangelnder Kenntnis der Genetik. Nebenbei ist festzuhalten, daß die Standardauslegungen durch SLAG nicht bindend sind. Der Standard muß zwar als grundsätzlicher Maßstab gelten, aber er ist für sinngemäße Interpretationen seiner einzelner Vorgaben für jeden Richter und für alle nationalen Verbände im Bereich der FCI offen. Das „standardgebende“ Land genießt dabei keinerlei Vorrechte. Mitunter ist eine Interpretation schon aus  Verständnisgründen notwendig – wenn es in der deutschen Übersetzung z. B. heißt, daß die „Scheckung auf die Gliedmaßen beschränkt“ sei, ist dies kynologisch falsch: Die „Scheckung“ beginnt erst beim Mantelschecken, nicht aber bei weißen Stiefeln. Wirklich inhaltliche Änderungen des Standards liegen, nachdem sie vom Patronatsland vorgeschlagen wurden, in der ausschließlichen Zuständigkeit der FCI. 
Der von Herrn Morineau als positiv ins Feld geführte „Toleranzbeschluß“ der SLAG, Abweichungen von der im Standard beschriebenen Weißverteilung im Interesse des Genpools nicht ganz als ausschließenden Fehler zu behandeln, dies aber nur bei Hunden mit weniger Weiß zu tun, ist mehr als fragwürdig. Geht man davon aus, daß die Weißzeichnung in ihrer Ausprägung genetisch analog einer Gauß-Verteilung auftritt, d. h. von relativ wenig Weiß bis zu relativ ausgeprägten weißen Abzeichen reicht, so stellt die Beschreibung im Standard den Mittelwert dar. Es macht keinen Sinn, nur eine Seite der Weißverteilung zu akzeptieren (im Fall von SLAG „wenig Weiß“), das Gegenteil aber auszuschließen.
Es drängt sich hier erneut die Frage auf, ob die wirklichkeitsfremde und willkürliche Festlegung des Weißanteils 1980 nur deshalb in den Azawakhstandard  gelangt ist, um die damals für die Definition einer neuen FCI - Rasse benötigten Unterscheidungsmerkmale gegenüber anderen Windhunden zu vermehren, d.h. insbesondere mit Blick auf die Sloughis und deren zuvor getroffene farbliche Abgrenzung gegenüber den Greyhounds.
Bestimmte real vorkommende Farben und Zeichnungen mit unterschiedlichem Weißanteil mit der Begründung abzulehnen, diese hätten negative gesundheitliche Auswirkungen, ist absurd. Dies  beweist die Vielfalt der Farben und Zeichnungen mit oft sehr hohem Weißanteil bei leistungsfähigen und gesunden Rassen wie zum Beispiel den französischen Jagdhunden, den Greyhounds und vielen anderen.
Die „Randfarben“ beiseite zu schieben und auszugrenzen, weil sie nur mit einem Anteil von unter zehn Prozent der Population in den Herkunftsregionen dokumentiert sind, ist kynologisch nicht nachvollziehbar. Es scheint hier eine massive Unkenntnis über die Vererbung vorzuliegen: diese Minderheitsfarben und Zeichnungen vererben sich meist rezessiv und werden deshalb nicht nur in den Ursprungsländern, sondern auch bei Würfen in Europa und USA immer wieder in Erscheinung treten. Es sei denn, daß sie einer Farbselektierung kurz nach der Geburt zum Opfer fallen, was in Deutschland gegen bestehende Gesetze verstoßen würde.
Das Auftreten von „lilac“ einer Kreuzung zuzuschreiben, kann auch nur aus mangelnder  Kenntnis der Farbdefinitionen und der Farbvererbung geschehen. Hier zeigt sich lediglich das, was in der „normalfarbigen“ Population, d.h. auch in Frankreich, sehr häufig vorkommt, nämlich das Vorhandensein schwarzer Haarspitzen bzw. die Durchmischung des roten Haarkleids mit einzelnen schwarzen Haaren. Bei der Varietät „lilac“ sind die schwarzen Haarspitzen durch das rezessive Blau ersetzt, das bei den Azawakhs der Sahelzone häufig zu beobachten ist. Und trotz aller Peinlichkeit für Herrn Morineau muß hier gesagt werden: Ausgebildete  Afterkrallen sind bei allen Hunderassen der Welt von Fall zu Fall anzutreffen. Zahlreiche Standards schreiben lediglich vor, auftretende Afterkrallen aus praktischen Gründen zu entfernen. In Westfrankreich und Spanien (Pyrenäen) werden andererseits Rassen gezüchtet, die laut Standard Afterkrallen zeigen müssen. Afterkrallen als eine Folge von Bastardisierung zu betrachten, zeugt einmal mehr von der Unkenntnis anatomischer und kynologischer Gegebenheiten und beweist, daß auch hier ein oft zu hörendes Ammenmärchen nicht durch eigene Recherchen korrigiert worden ist.
Selbstverständlich hat der gegenwärtige Azawakh-Standard Gültigkeit und diese soll durch die obigen Ausführungen auch gar nicht in Frage gestellt werden. Gewarnt sei aber vor einer für die Rasse destruktiven Auslegung. Ernsthaft zu bedenken ist auch die Tatsache, daß der derzeitige Standard einige willkürliche Diskrepanzen gegenüber der Ursprungspopulation aufweist.


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30.10.2005
Das >Empire<. schlägt zurück...

 Aus dem neuesten Rundbrief der SLAG

Eine neue Internetadresse über Azawakhs ist geboren. Bis jetzt war sie vertraulich geblieben. Etwa 10 Züchter und Besitzer in Frankreich haben sie kontaktiert, um sich der Arbeitsgruppe anzuschließen. Die SLAG will für eine Weiterleitung der Informationen sorgen und hat beschlossen, den Text zu veröffentlichen, weil sie keine ihrer Entscheidungen zu verbergen hat, und damit sich jedes Mitglied eine Meinung bilden kann zu den Forderungen, die von diesen Leuten erhoben worden sind.
Es erscheint mir normal, sich Gedanken über die Zukunft der Rasse zu machen und eine andere Meinung über getroffene Beschlüsse zu haben. Dies halte ich für legitim und interessant, wenn sich die geäußerten Vorschläge auf dem richtigen Weg befinden. Es ist jedoch bedauerlich, daß man zur Untermauerung von Argumenten Methoden benutzt, die nichts mit der Wirklichkeit der Dinge zu tun haben.  
Zu behaupten, daß die SLAG eine striktere Interpretation veranlaßt oder sogar den geltenden Standard // in Hinblick auf weiße Abzeichen, WR // verschärft habe, ist eine Lüge oder beruht auf einer Unkenntnis der getroffenen Entscheidungen. In Hinblick auf die Standard-Regelung in Sachen Weiß hat die SLAG die Einschränkungen fünf bis vielleicht sogar zehn Mal abgeändert. Ich würde es begrüßen, wenn jemand das Gegenteil beweisen könnte. Wir haben ebenso beschlossen, im Ausahmefall Hunde zu akzeptieren, die nicht das vom Standard geforderte Minimum an Weiß haben. Bisher wurden diese Windhunde mit Strafen belegt, da das Fehlen von Weiß als ein ausschließender Fehler galt. Sollte auch diese Entscheidung restriktiv in Bezug auf die Zukunft der Rasse sein? Es scheint fast so, denn sie wird // vom Arbeitskreis? WR // stillschweigend übergangen.
Wenn man das Vorkommen anderer Farben beim Azawakh nachweisen will, um damit zu beweisen, daß die Farbverteilung keinen Einfluß auf die Gesundheit und die Aktivitäten der Tiere habe, so erscheint dies nicht überzeugend. Soll die „Coloromie“ Mode werden? Warum sich für Randfarben interessieren, die nur bei 10 Prozent der gezählten Population auftauchen! Auf die Gefahr hin, Kreuzungen einzuführen! (Siehe den Hunde mit der Farbe Lila, von dem ein Foto im Bulletin Nr.55 veröffentlicht wurde. Dieser Hund hat Afterkrallen am Hinterlauf!) Mehr Weiß wollen, andere Farben anerkennen – eine solche Entscheidung kann nicht als eine vernünftige Reform das Standards angesehen werden, sondern nur als seine totale Infragestellung.
Bevor man solchen Ideen anhängt, erscheint es mir notwendig, über folgendes nachzudenken, um jede Manipulation zu vermeiden: Das erste Ziel // des Arbeitskreises WR // war es, die von SLAG erlassenen Beschlüsse anzufechten, die zudem jenseits des Rheins vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband übernommen und gebilligt worden sind. Wenn man Entscheidungen trifft, kann man nicht die ganze Welt zufriedenstellen und man erntet alle Art von Kritik, ob es nun gerechtfertigt ist oder nicht. Muß man nun kapitulieren oder soll man mit dem Ziel kämpfen, die Rasse zu retten? Stellt sich jetzt diese Frage? Es ist an Euch, Züchter und Eigentümer von Azawakhs, die Ihr vor allem von dieser Rasse fasziniert seid, die Wahl zu treffen, die sich jetzt stellt.
Zur Information: Nach den Expeditionen von A.B.I.S. in den Jahren 1996,1997 und 2000 ist eine Auszählung nach Farben bei 582 Hunden erfolgt:
251 sind fauve, also 44,04 Prozent
195 sind sandfarben, also 33,51 Prozent
81 sind gestromt, also 13,92 Prozent
Diese Farben entsprechen dem Standard.
Dann:
32 sind gescheckt, also 4.50 Prozent
1 ist blau, also 0,17 Prozent
1 ist schwarz, also 0,17 Prozent
9 sind cremefarben, also 1,37 Prozent
3 sind lila, also 0,52 Prozent
Diese Farben entsprechen nicht dem Standard und stellen 6,73 Prozent der untersuchten Hundepopulation dar.
Will man glauben machen, daß diese 6,37 Prozent entscheidend für die Zukunft der Rasse seien – das kann nicht als gültiges Argument betrachtet werden. Mir scheint es, daß hinter dieser Agitation vor allem der Wunsch von einigen Leuten steht, die Macht zu ergreifen, um ihre Ideen durchzusetzen – Ideen, die das Risiko in sich tragen, die Rasse zu zerstören.
Eine Unterschrift unter ein Papier zu setzen, ist keine harmlose Angelegenheit. Sie verpflichtet eine Person, nach bestem Wissen und Gewissen die Erhaltung der Rasse zu sichern, und sie sollte nicht dazu dienen, persönliche Interessen zu befriedigen.
Die erste Forderung // des Arbeitskreises WR // ist es, mehr Weiß einzuführen oder gar bis zur Scheckung zu gehen. Es ist in diesem Projekt ebenso vorgesehen,  neue Farben einzuführen: Schwarz, schokoladenbraun, blau, elfenbein-beige, silbernes Platin, schwarze, blaue, braune und beige Stromung.
Dies steht im Moment auf Platz zwei, das Schlachtroß ist im Augenblick das Weiß, um jene Leute besser ansprechen zu können, von denen man annehmen kann, daß sie ihre Unterschrift leisten, wie dies in Frankreich geschehen ist. Das alles schön demokratisch und also mit einer bewundernswerten Transparenz.

 

                                                                                     Rene Morineau
 (Übersetzung und Redaktion: Dr. Annemarie Fiolka und Dr. Werner Röder)

update: 30.10.05 Elisabeth Naumann


Die erste Denkschrift des Arbeitskreises mit der ausführlichen Begründung für eine Standardreform ist unter dem Titel
                                                           DER >FALL WEISS<. 
fertiggestellt. Sie umfaßt 80 Seiten im Format DIN A4 und  gibt im wesentlichen den Inhalt unserer Website wieder. Sie wurde mit folgendem Begleitschreiben an die Azawakh-Zuchtrichter verschickt. Die weitere Verteilung an die Vorstände von Windhundorganisationen im In- und Ausland ist im Gang.

An die Zuchtrichterinnen und Zuchtrichter für die Rasse  Azawakh bei den der FCI angeschlossenen kynologischen Vereinigungen

 
Sehr verehrte Damen, liebe Herren -   
erlauben Sie uns bitte, ein besonderes Anliegen an Sie heranzutragen:

Wir wären Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie die Zeit aufbringen könnten, die beigefügte Denkschrift Der „Fall Weiß“ kritisch zu lesen und sich zu den dortigen Sachdarstellungen und Argumenten Ihre persönliche Meinung zu bilden.

Der >Arbeitskreis Azawakh<. hat die für ihn erreichbaren Fakten, Forschungsergebnisse  und Stellungnahmen zu einer Streichung der Farbbeschränkungen aus dem Azawakhstandard zusammengetragen und auf einer Internetseite zugänglich gemacht (www.arbeitskreis-azawakh.com). Vergleichbare Gründe, die eine Beibehaltung der Farbbeschränkungen als vernünftig und zwingend erschei-nen lassen würden, konnten im Lauf dieser Recherchen bisher nicht aufgefunden werden:  Alle Äußerungen zugunsten des bestehenden Zustands stützen sich entweder auf die Überzeugung, daß der nun einmal so existierende FCI-Standard absolutes Gebot mit unveränderlicher Gültigkeit sei, oder auf die ganz persönli-che Bevorzugung bestimmter Fellfarben und Farbverteilungen, also auf Positionen, die mit der Morphologie, der Gesundheit und dem Sozialverhalten des Azawakhs nichts zu tun haben.
Das Anliegen ist leider kein Glasperlenspiel. Es geht, wie in der Denkschrift ausführlich dargelegt, um die genetische Nachhaltigkeit der Rasse außerhalb Afrikas. Die Initiative beschränkt sich nicht auf eine Minderheit: Innerhalb weniger Wochen haben sich bereits an die hundert >Azawakhleute<. aus dem In- und Ausland der Forderung nach einer Standardreform angeschlossen, darunter allein achtzehn Azawakh-Zuchtstätten (laufend aktualisiertes Verzeichnis im Internet).
Wir bauen auf Ihre Unterstützung im Rahmen der richterlichen Praxis und gegen-über den Verbänden, falls Ihnen die Argumente des Arbeitskreises überzeugend erscheinen. Und wir hoffen auf eine gemeinsame Diskussion Ihrer Einwendungen, wenn Sie glauben, daß unser Standpunkt auf fehlerhaften Sichtweisen oder mangelnden Informationen beruht.
Mit verbindlichstem Dank für Ihr Interesse und freundlichen Grüßen

im Auftrag des Arbeitskreises
gez.                                                 gez.  
Dr. Gabriele Meißen                     Dr. Werner Röder

 
Wir werden über allfällige Reaktionen berichten.

Die Denkschrift ist darüber hinaus als stets greifbare Diskussionsgrundlage  im Kreis von Windhundinteressierten, bei Veranstaltungen  und in Vereinsversammlungen gedacht.  Sie können sie unter Beilage eines 5-Euro-Geldscheins als Kostenbeitrag zu Herstellung und Briefporto p.A. Dr. Werner Röder, Warschauer Str.20, D-80992 München, anfordern.

 

 update: 19.08.2005

webmaster: Elisabeth Naumann

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